Mittwoch, 22. Juli 2020


Posting 85 - Erfordert wohlhabend zu werden andere Fähigkeiten, als es zu bleiben?

Auszug aus Artikel von G. Kommer, im Link unten: "Ein bestimmter Typus Privatanleger scheitert besonders bemerkenswert in der praktischen Umsetzung des Übergangs von der reich werden (RW)-Phase zur reich bleiben (RB)-Phase: Vermögende mittleren oder fortgeschrittenen Alters. Viele von ihnen glauben, dass ihr erwiesener Erfolg in der Disziplin des reich werdens sie automatisch für Erfolg in der Disziplin des reich bleibens qualifiziere. Leider falsch. Das erforderliche Skill Set (Fähigkeiten, Können) für reich werden hat nahezu nichts gemein mit dem Skill Set, das man braucht, um reich zu bleiben –  außer der gleichen Überschrift “finanzieller Erfolg”.
 
Warum viele vorherige “RW-Stars” falsch annehmen, sie würden quasi zwangsläufig auch RB-Könner sein: RW-Skills haben im weitesten Sinne mit Geld und Finanzen zu tun, da wir hier letztlich über beruflichen und/oder unternehmerischen Erfolg sprechen. Und der führt ja im Ergebnis zu Vermögen. Oft besitzen die RW-Stars zudem noch kaufmännische und betriebswirtschaftliche Ausbildungen oder Erfahrungen. Aufgrund dieses RW-Vermögenserfolges und aufgrund ihres kaufmännischen Skill Sets schlussfolgern sie irrtümlich, ihr wirtschaftlicher Erfolg im “Wettkampf A” (RW) würde sich mehr oder weniger eins zu eins auf “Wettkampf B” (RB) übertragen lassen. Details finden sich im u.g. Artikel-Link.
 
Zusammenfassend lässt sich sagen: Für die RW-Phase ist sehr starker Fokus mit höherem Risiko meist notwendig, für die RB-Phase hingegegen schädlich. In der RB-Phase zählen starke Diversifikation, Vermeidung von Klumpenrisiken, Einschluss auch niedrig rentabler, aber schwankungsarmer Anlageklassen, so dass sich ein sehr balanciertes Portfolio ergibt aus allen bewährten Anlageklassen wie Renten, Aktien, Immobilien, Anleihen und Gold. 
 
William Bernstein, ein lesenswerter Finanzratgeberbuchautor, charakterisiert den Paradigmenwechsel, den ein Privatanleger beim Übergang in die RB-Phase erkennen und umsetzen sollte, mit dem Bonmot “if you have won the game, stop playing it” (Bernstein 2019). Knapper und klarer kann man es nicht mehr ausdrücken. 
 
Wir schließen mit einem Zitat des Briten Nathan Mayer Rothschild (1777–1836), zu Lebzeiten vermutlich der reichste Nicht-Monarch der Welt. Er sagte über die RW-RB-Dialektik: “Es braucht viel Mut und große Vorsicht, um ein großes Vermögen aufzubauen; und wenn man es geschaffen hat, braucht es zehnmal so viel Schlauheit, es zu behalten.” (“It takes a great deal of boldness and a great deal of caution to make a great fortune; and when you have got it, it requires ten times as much wit to keep it.”) 

https://www.focus.de/finanzen/experten/gastbeitrag-von-rainer-zitelmann

https://www.gerd-kommer-invest.de/unterschied-zwischen-reich-werden-und-reich-bleiben/

Donnerstag, 9. April 2020

Posting 84 - Die Finanz- und Anlagewelt nach Corona

Dass die Corona-Krise erhebliche Auswirkungen auf die Finanzwelt hat, ist unbestritten, vgl. im folgenden Link: https://www.flossbachvonstorch-researchinstitute.com/de/kommentare/

Prof. Thomas Mayer, ehemals Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe und Leiter von Deutsche Bank Research. Zuvor bei Goldman Sachs, Salomon Brothers, Internationaler Währungsfonds und Institut für Weltwirtschaft in Kiel: Mayer geht davon aus, dass schwerwiegende Effekte eintreten dürften durch die massiv steigende Verschuldung: 1. Eine deutlich anziehende Inflation und 2. eine weitere Abwertung des Euros. Als 3. Gefahr werden Schuldenschnitte gesehen. 

1) 77 % des Geldvermögens der privaten Haushalte in D sind gemäß Angaben der Bundesbank Bargeld, Einlagen und Ansprüche gegenüber Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen - und damit im Risiko durch die o.g. Gefahren 1.) bis 3.).

2) Die mittelfristige Werthaltigkeit eines bedeutenden Anteils des globalen Anleihensegments darf bezweifelt werden. Es erscheint wahrscheinlich, dass ein Teil der Schulden gestrichen werden muss, weil Schuldner (Staaten, Unternehmen, Haushalte) den Schuldendienst nicht mehr leisten können. Schulden sind natürlich immer auch Guthaben der Gläubiger. Deutsche Sparer sind mit dem Gros ihres Geldvermögens schlicht auch Gläubiger in einer überschuldeten Welt.

3) Deutschlands Schuldenlast dürfte in 2020 um ca. 500 Mrd. € auf ca. 2,5 Billionen Euro (80-90 % des BIPs) ansteigen - je nach der Schwere der Rezession auch noch stärker. Für schwächere Länder wie Italien, Spanien und Frankreich kann der dortige Schuldenanstieg zu einer Finanzkrise führen, die ggf. auch (wieder) in eine Eurokrise münden kann.

4) Es sollte daher überprüft werden, ob 

a) längerfristige LV-Verträge noch die erhoffte Sicherheit bringen (meist besteht keinerlei Inflationsschutz, und auch Schuldenschnitte schlagen durch); vgl. https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-62

b) eine globale Streuung der Anlagen gegeben ist inklusive einer angemessenen Währungs-Diversifikation außerhalb des Euros

c) keine zu hohe Kreditlast bei Immobilien besteht, da bei krisenhaften Verschärfungen Banken/Darlehensgeber nicht selten eine verminderte Bonität feststellen, was zu einer Darlehenskündigung führen kann (Risiko Zwangsversteigerung).

Was in "Normalzeiten" als richtig und solide erscheint, ist es leider in extremen Krisen plötzlich nicht mehr, weil sich die Rahmenbedingungen verändert haben. Eine kompetente Vorsorge- bzw. Portfolioanalyse sorgt für eine weitere finanziell sichere Zukunft.

Freitag, 27. März 2020

Posting 83 - Die Corona-Krise und ihre Folgen

Da wir aktuell am 27. März 2020 noch mitten im Lock-down stecken, ist die weitere Entwicklung schwer abzusehen. Allerdings deutet sich bereits jetzt an, dass es ab Mitte/Ende April Lockerungen der Kontaktsperre geben wird, um einen Kollaps der Wirtschaft zu vermeiden.

Drei Monate Daniederliegen weiter Teile der Wirtschaft würde unweigerlich zu irreparablen Schäden führen mit Zehntausenden von Insolvenzen und nachfolgender Systemkrise in Staat und Gesellschaft. Dies gilt es zu vermeiden, damit die "Medizin" der Corona-Epidemie nicht schädlicher wird, als die Krankheit selber. Eine ganzheitliche und ehrliche Kalkulation möglicher Kollateralschäden in der Bevölkerung (u.a. Suizide, Stress-bedingte Folgeschäden wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Gewaltanstieg etc.) ist unverzichtbar und hat jüngst bereits begonnen.

I) Was ist bei Kursrücksetzern zu beachten? https://gafib1.blogspot.com/kursrucksetzer

II) Das (falsche) Risikoverhalten von Anlegern bei Crashs als Grafik: https://www.nzz.ch/wirtschaft/risikotoleranz-muss-erlernt-werden-1.18545431

III) (Medizin-)Risikoforscher Prof. Gerd Gigerenzer: Panik ist falsch:
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/coronavirus-risiko-gigerenzer-100.html

IV) Prof. Thomas Straubhaar, Ökonom: https://www.capital.de/wirtschaft-politik/thomas-straubhaar-die-oeffentliche-meinung-wird-kippen

V) Aktien-(Nach-)Kauf bei Corona? Finanztip-Video: https://www.youtube.com/Corona/Aktien nachkaufen?

VI) Corona-Folgen: Inflation und/oder Schuldenschnitt? https://www.swr.de/swraktuell/radio/wirtschaft-nach-corona-100.html

zu VI) Beide Gefahren bestehen wohl, denn bereits vor der Corona-Krise war die globale Verschuldung schon massiv und nur noch dank Nullzinsen tragbar. Man sollte sich also bereits jetzt positionieren und die weitere Entwicklung engmaschig verfolgen, um nicht von massiven Folgen betroffen zu sein. Historisch boten Sachwerte wie ein globales Aktienvermögen, Immobilien und Gold eine relativ bessere Sicherheit als Geldvermögen, das von Abwertung bedroht ist. Bei Immobilien gab es historisch allerdings mehrfach Sonderbelastungen, da keine kurzfristige Verfügbarkeit/Änderbarkeit von Grundbesitz gegeben ist.

VII) Der Weg aus der Krise: Eine ganzheitliche Betrachtung ist notwendig!
a) https://www.nzz.ch/international/virologe-kekule-und-oekonom-suedekum-ueber-corona-was-ist-zu-tun-ld.1548836

b) Prof. Südekum: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/corona-krise-jens-suedekum

VIII) Wer profitiert nach der Krise? Firmen mit Nachhaltigkeitsstrategien: https://www.spiegel.de/wirtschaft/blackrock-chef-larry-fink

IX) Ein Alptraum: Einstieg in die Staatswirtschaft und Ausstieg aus der Marktwirtschaft
https://www.roberthalver.de/Newsletter/Halvers-Kapitalmarkt-Monitor/Ha

X) Armer Leuchtturm – Deutschland erwacht aus der Wohlstands-Illusion  
https://www.nzz.ch/coronavirus-deutschland-erwacht-aus-der-wohlstands-illusion


Mittwoch, 20. November 2019

Posting 82 - Rentenfaktor und lebenslange Depotentnahme (Entnahmeplan) nach der 4 %-Regel - update per März 2024

Private oder betriebliche Rentenversicherungsverträge zahlen in der Rentenphase nach einem sog. Rentenfaktor auf das angesparte Vertragskapital (bei R-Faktor 40 wären es 40 € Monatsrente pro 10.000 € Vertragskapital). Während die garantierten Rentenfaktoren im Jahr 2010 ab Alter 60 Jahre noch um 40 lagen, sind diese heute (2023) oft bereits auf 25 oder weniger abgeschmolzen - hauptsächlich als Folge des Zinsniveaus und der steigenden Lebenserwartung.

Bei einem angenommenen Rentenfaktor von 34 haben Versicherte ihre Einzahlungen nach etwa 25 Jahren wieder. (34 € pro Monat = 408 € p.a. | 10.000 € : 408 € = 24,5 Jahre) Liegt der Rentenfaktor hingegen bei 24, brauchen Versicherte dafür schon fast 35 Jahre. Bei einem Rentenfaktor von 20 dauert es sogar 42 Jahre. 

Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) bietet aktuell in 2023 ab Alter 67 Jahre einen Rentenfaktor von ca. 41 netto (d.h. nach Abzug des KV-Anteils von ca. 8 %), so dass hier ein Kapitalrückfluss nach ca. 21 Jahren gegeben wäre (mit Alter 88 Jahre). Damit liegt die GRV entgegen den üblichen Erwartungen deutlich besser als fast alle privaten Rentenversicherungen. Vgl. https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-42-rentenvorsorge-fur.html + https://www.ihre-vorsorge.de/rechner/freiwillige-rentenversicherung

Vgl. Rentenfaktor Private Rentenversicherung: https://www.dieversicherer.de/rentenfaktor-versicherung-400  Günstige Rentenversicherer bieten aktuell (in 08-2023) bei Neuabschluss z.B. einer "Sofortrente gegen Einmalbeitrag" nur noch Rentenfaktoren von 25 ab Alter 60 Jahre, 28 ab Alter 63 und 32 ab Alter 67 Jahre. Vgl. https://www.europa.de/versicherungen/private-rentenversicherung/klassische-rente/tarifrechner

Nachdem private (Sofort-)Renten kaum noch zu guten Ergebnissen führen, stellt sich die Frage nach rentableren Alternativen für die Rentenphase.

Tatsächlich existiert eine entsprechende Strategie schon seit langem und erfordert nicht einmal eine besondere Änderung in der Rentenphase - vielmehr kann ein existierendes Depot einfach fortgeführt - oder eben eröffnet - werden.

Um die Schwankungsbreite eines globalen Aktiendepots von ca. 15 % pro Jahr zu reduzieren, bietet sich eine Beimischung von Anleihen oder eines Tagesgeldkontos an. Ca. 60-80 % Aktien-/ETF-Anteil sind aber nötig, um eine Depot-Gesamtrendite von längerfristig mehr als 4 % p.a. zu erzielen, denn Defensivanteile verwässern die Renditeerwartung.

Vgl.: Richtige Aktienanlage: https://gafib1.blogspot.com/2019/10/posting-81-richtiges-aktiensparen-ist.html

Eine "sichere Entnahmerate" von ca. 4 % (-5 %) p.a. ist möglich, ohne dass der Depotbestand angegriffen wird, weil ein gut strukturiertes globales Aktienportfolio eine erwartete Rendite hat von ca. 8 % p.a. Eine alternative Sofortrente bzw. auszuzahlende Rentenversicherung dagegen erzielt inzwischen kaum mehr als ca. 1 % jährliche Rendite, was laufende Realwertverluste nach Inflation bedeutet.

Eine Depot-Entnahmerate von 4 % würde einem Rentenfaktor von 33 entsprechen, und das sogar bei Kapitalerhalt und ab jedem Alter, z.B. auch schon ab Alter 55 Jahre (!). Also 400 € pro 10.000 € Kapital p.a. = 33 € pro Monat). Diese Situation spricht klar für eine Entnahmeplan-Strategie, zumal das Kapital auch noch voll vererbt werden kann, eine Rente im Todesfall jedoch entweder entfällt oder bei Vereinbarung einer Fortzahlungsperiode von z.B. zehn Jahren nochmals deutlich absinkt bzgl. des Rentenfaktors.

Mit höchster Wahrscheinlichkeit reicht ein solcher Depot-Entnahmeplan über Zeiträume von 30+ Jahren bzw. unbegrenzt. Eine "dynamische" Entnahmestrategie basierend auf dem Depotwachstum des Vorjahres und mit hohem Aktienanteil des Depots führt im Durchschnitt zu den höchstmöglichen Entnahmeraten von bis zu ca. 6 % inkl. Kapitalverzehr bei 30 Jahren Laufzeit. Diese Strategie eignet sich vor allem, wenn eine Basisversorgung durch Rente oder Pension vorhanden ist. Praktisch würde diese Strategie bedeuten, dass man an jedem Jahresende neu ermittelt, welches tatsächliche Kapital noch zur Verfügung steht und die Kapitalentnahmerate dann neu justiert mit den Angaben zu (Rest-)Rentendauer, Zinssatz (Depotrendite), Dynamik (Inflationsrate), Steuersatz und ggf. Restkapital, das am Rentenende noch verbleiben soll. Der Steuersatz ist zu individualisieren, da der u.g. Entnahmerechner Steuerabzüge kalkuliert bezogen auf (fiktive) fixe Zinsen, nicht auf das individuelle Depotwachstum, das ja ein Mix ist aus aufgelaufenen Wertzuwächsen und lfd. Dividenden. Meist wird der individuelle Steuerabzug deutlich geringer ausfallen als die formellen 26,4 % Abgeltungssteuern auf Erträge/Wertzuwächse. Ein Vorjahresvergleich zur effektiven Gesamtsteuerbelastung aller Entnahmen liefert gute Anhaltspunkte.

 -> Siehe Entnahmeplan-Rechner: https://www.zinsen-berechnen.de/entnahmeplan.php

Ein simples Entnahme-Verfahren (nur schematisch zu verstehen, die Steuerkomponente ist zusätzlich wichtig): Man bringt 50 % des Verrentungskapitals in einen Weltaktien-ETF ein (z.B. auf Basis des MSCI All-Countries World), die zweiten 50 % in einen gemischten Welt-Aktien-/Anleihen-ETF (etwa von Vanguard, 60:40-Mischung). Dann entnimmt man jedes Jahr als Gesamtrate soviel, dass beide Töpfe gleich groß bleiben. Nach starken Aktienjahren also mehr aus dem Aktien-ETF, nach schwachen Jahren mehr aus dem Misch-ETF. Wer bereits ein Depot hat, kann auch ca. 25 % des Depotvolumens in einen reinen Anleihen-ETF einbringen und entsprechend vorgehen. Nach jeder Jahresentnahme soll der Anleihen-ETF also seinen 25 % Depotanteil behalten. Aber Vorsicht: Bei erheblichen Zuwächsen im (langjährigen) Depot dürften sich größere Umschichtungen zu Beginn einer Entnahmephase nicht lohnen, weil die sofortige Steuerzahlung zuviel an Depotvolumen verzehren würde. Hier wäre eher daran zu denken, eine evt. Defensivkomponente aus neuen Mitteln, etwa einer ablaufenden Lebensversicherung oder betrieblichen AV zu bestreiten.

Vgl.: https://www.finanzfluss.de/geldanlage/entnahmestrategien/

Vgl. https://www.zeit.de/news/2021-09/09/ab-wann-zahlt-sich-eine-rentenversicherung-aus?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.assekuranz-info-portal.de%2F

Vgl. Versicherer kürzen Rentenfaktor: https://www.cash-online.de/versicherungen/2022/rentenkuerzung-durch-versicherer-rechtens/590649

 

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Posting 81 - Das Geschäft mit der Angst vor dem Crash

 

Crash-Propheten haben gerade Hochkonjunktur im Buchhandel und TV. Das Problem dabei: Sie warnen zugunsten ihres persönlichen Broterwerbs durch Buchverkauf und TV-Auftritte, ein Indikator für eine Krise sind sie nicht.

Simple Argumente und Lösungen  
Steht uns also eine grosse Börsenkorrektur bevor? – Vielleicht. Aber dieses Risiko besteht immer. Diese Buchautoren verfügen gegenüber Anlagestrategen und gut informierten Investoren jedoch über keinen Informationsvorsprung. Ali Masarwah, Finanzmarktexperte beim Analyseunternehmen Morningstar, nennt fünf typische Merkmale für Crash-Propheten: Ihre Argumente sind simpel und auf den ersten Blick logisch; ihre Prophezeiungen sind Teil ihres Geschäftsmodells; in Fachkreisen nimmt sie keiner ernst; sie sind Medienstars; ihre Lösungen sind scheinbar einfach.

Die Panikmacher haben einen Markt zu bewirtschaften. Ein Teil der Anleger denke in solchen Szenarien und warte auf solche Bücher. «Die Panik ist ein gutes Geschäft», sagte auch der legendäre Börsianer André Kostolany schon vor Jahrzehnten. Zahlreiche Marktteilnehmer sind interessiert, dass Anleger aufschrecken und panisch verkaufen. Das sind einmal die Leerverkäufer, die sich anschließend mit günstigen Aktien eindecken wollen oder jene (spekulativen) Anleger, die auf tiefere Kurse gewettet haben mit Put-Optionen.

Professionelle Anleger wie Investmentbanken und Hedgefonds sind auf (erhebliche) Kursschwankungen angewiesen, damit ein lohnendes "Leverage" (Hebelung) überhaupt möglich wird. Hochfrequenzhändler können sogar schon kleinere Kursschwankungen durch Millisekunden-Handel ausnutzen. Absolutes "Gift" für Profi-Händler wäre eine stetige Aufwärtsentwicklung des Aktienmarkts ohne Ausschläge - sie würden dann wesentlich weniger verdienen -, allerdings immerhin noch soviel wie Privatanlager, die einfach langfristig im Aktienmarkt investiert bleiben, also ca. 8 % pro Jahr.

Was tun? Zugegebenermaßen gibt es reale Probleme in unserem Wirtschafts- und Finanzsystem, insbesondere in Form der Überschuldung von Staaten, Unternehmen und Privatleuten. Doch kommt deswegen der ganz große Crash? Was, wenn es “nur” eine schleichende Inflationierung unseres Geldes wird? Ist das dann weniger schlimm? Angst war noch nie eine gute Basis für Anlageentscheidungen. Crashs waren schon immer Teil unserer Gesellschaft, genauso wie Währungsreformen, soziale Umbrüche und Wirtschaftskrisen. Bis jetzt haben wir noch immer alles gut überlebt und es wurden anschließend neue Höhen erreicht. Man sollte sich deshalb an die bewährten Grundsätze des Kapitalaufbaus halten: Gute Diversifikation, verschiedene Anlageklassen über alle Regionen, also ein strikt globales Investment. Weiterhin eine rationale Portfolio-Struktur. Und schließlich die Vermeidung zu hoher Anlagekosten, die mit Sicherheit zu fehlendem Kapitalaufbau führen, sogar ganz ohne Crash. 

Stabilisierend auf den Aktienmarkt wirkt im übrigen, dass in praktisch allen Regionen Anlagenotstand herrscht und vor allem Versicherer und Pensionsfonds zunehmend ausweichen müssen auf den Aktienmarkt - ein Prozess, der teilweise gerade erst begonnen hat. Damit ist ein mittel- bis längerfristiger Zustrom an Neuanlagegeldern verbunden.

Vgl. https://www.fondsprofessionell.de/news/uebersicht/headline/morningstar-so-entlarven-sie-untergangs-propheten-in-eigener-sache-194812/newsbild/1/

Vgl. https://www.nzz.ch/finanzen/crash-propheten-das-geschaeft-mit-der-angst-vor-dem-kurssturz-ld.1526695?mktcid=nled&mktcval=107_2019--12-10&kid=nl107_2019-12-10
 
Vgl.: Der Anlageerfolg der "Untergangs-Propheten" - von Gerd Kommer, Juli 2021: https://gerd-kommer.de/wie-untergangspropheten-investieren/
 


Sonntag, 6. Oktober 2019

Posting 80 - Richtiges Aktiensparen ist langfristig immer erfolgreich!

1) Das wohl überzeugendste Argument ist der Dow Jones-Langfrist-Chart: Seit 1896 geht es aufwärts mit ca. 8 % Rendite pro Jahr inkl. der Dividendenerträge. Die 8 % sind auch kein Zufall, sondern begründet dadurch, dass die Unternehmen im globalen Massstab ca. 8 % pro Jahr verdienen. Da der DJ ein sog. Kursindex ist, fehlen im folgenden Chart (siehe Link unten) sogar noch die Dividenden, d.h selbst in der "flachen" Phase um die 70iger Jahre gab es noch die Dividendenzahlungen, womit auch ohne Kursgewinn noch eine ähnliche Rendite erzielt wurde wie mit Anleihen. Bei einem kostengünstigen und global gestreuten Aktieninvestment besteht kein Verlustrisiko, sondern nur ein Zeitrisiko, man muss also vorübergehende Rücksetzer aussitzen können.

Dow Jones Langfrist-Chart: http://www.boerse.de/langfristchart/Dow-Jones/US2605661048

Vgl. auch: Interaktiver Dow Jones-Chart seit 1915: https://www.macrotrends.net/1319/dow-jones-100-year-historical-chart

2) Zeitrisiko: Nach spätestens 14 Jahren war ein global breit gestreutes Aktienmarkt-Investment immer positiv, selbst bei der - extrem unwahrscheinlichen - Kombination aus ungünstigstem Einstieg und zugleich ungünstigstem Ausstieg. In der Praxis sind 98 % aller Zeitpunkte passend zum Einstieg, nur bei offensichtlich überhöhter Kursbewertung (z.B. Dotcom-Blase Anf. 2000, KGVs lagen bei 30-50) ist Zurückhaltung angezeigt - sonst kann es länger dauern, nach einem Marktrücksetzer wieder in den grünen Bereich zu kommen. Bei Einstieg zu normalen Kursniveaus oder via monatlichem Sparplan werden globale Depots in den meisten Fällen nach 2-4 Jahren dauerhaft im grünen Bereich verbleiben. http://www.dividendenadel.de/aktien-erfolgsfaktor-zeit-renditedreieck/

3) Aktienmarkt-Renditen - womit man rechnen sollte: http://www.fondsprofessionell.de/news/uebersicht/headline/aktienertraege-womit-man-rechnen-sollte-142882/ref/2/

4) Warum man permanent investiert bleiben muss? https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-77-warum-man-permanent.html

5) Rationales Investieren ist einfach: https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-61-rationales-investieren-ist.html   

6) Welchen Wert an der zu erwartenden Rendite hat eine gute Beratung? https://gafib1.blogspot.com/advisors-alpha

7)  Die Angst vor dem Allzeithoch (ist unbegründet): https://www.gerd-kommer-invest.de/angst-vor-dem-allzeithoch/

8) Typische Anlagefehler: https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-59-typische-anlagefehler.html

9) Depotstudien belegen Anlegerschwäche: https://www.marketwatch.com/story/americans-are-still-terrible-at-investing-annual-study-once-again-shows-2017-10-19

10) Marktrücksetzer sind kein Problem - sie dauern meist nur max. 1-3 Jahre: http://finanziell-umdenken.blogspot.de/2012/10/wie-lange-dauern-globale-barenmarkte.html

und  https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-75-was-ist-bei-kursrucksetzern.html

11) Politisches Risiko minimiert durch Welt-Invest: Es bestehen mitunter Zweifel an der Nachhaltigkeit wirtschaftlicher Stärke von D und Europa. Jedoch hat bei einem strikt globalen Aktienmarkt-Investment D nur 2 % und EU nur 16 % Anteil. Damit wird das regionale Risiko deutlich relativiert. Vgl. Regionensplit eines Weltfonds/ETFs

12) Aktienmarktbewertung nach KGV und weiteren Kennzahlen
Nachtrag zu 2): Wenn man wie jetzt im Okt. 2019 zu recht normalen Kursen eines globalen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) von 17 (historisch ca. 15) einsteigt, ist die Situation eines "ungünstigen Einstiegs" nicht gegeben. Damit dürfte ein nachhaltig positiver Erfolg deutlich früher eintreten, in den meisten Fällen spätestens nach 1-3 Jahren. https://gafib1.blogspot.com/aktienmarktbewertung-nach-kennzahlen   

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