Donnerstag, 24. Juni 2021

Posting 94 - Anlagenotstand extrem

Im Zeitraum von 2014 bis zum Jahr 2020 ist die globale Schuldenlast (Staaten, Unternehmen, Private) von 199 auf 280 Billionen US$ gestiegen. Betrug die Relation zur globalen Wirtschaftsleistung in 2014 noch 286 %, so waren es in 2020 - trotz eines Konjunkturaufschwungs in den Jahren zuvor - 350 %, also das 3,5-fache der globalen Wirtschaftsleistung.

Das veranlasste einige Investoren und Ökonomen zu der Behauptung, dass Schulden keine Rolle mehr spielen. Sie tun es aber sehr wohl. Wir beobachten bereits seit einiger Zeit, dass einige der ärmsten und am höchsten verschuldeten Länder weltweit einen Schuldenerlass fordern.

Unter den wohlhabenden Volkswirtschaften, die Kredite in ihrer eigenen Währung aufnehmen, ist das Risiko eines Zahlungsausfalls trotz hoher und weiter steigender Verschuldung sehr gering. Aber: Wenn sich die Zentralbanken den Finanzierungsbedürfnissen der Politik unterordnen, könnte das schließlich zu Währungskriegen, Kapitalflucht und steigenden Inflationserwartungen führen.

Kurzfristig sind zunächst die Schwellenländer negativ betroffen, da sie Schulden zumeist in Fremdwährung, d.h. US$ aufnehmen müssen, jedoch mit eigener Schwachwährung zu begleichen haben - was kaum gelingt. Schuldenschnitte und damit Abschreibungen für Gläubiger rücken näher.

Vgl. https://www.private-banking-magazin.de/280000000000000-us-dollar-wie-gefaehrlich-ist-die-globale/

Vgl. https://www.visualcapitalist.com/all-of-the-worlds-money-and-markets-in-one-visualization-2020/

Betrachtet man die sog. Umlaufrendite, also die Rendite längerlaufender Anleihen in Deutschland, so sieht man eindrucksvoll, wie stark diese in den letzten Jahrzehnten abgeschmolzen ist auf aktuell -0,47 % im Juli 2021.

 

https://www.comdirect.de/inf/zinsen/detail/chart.html?timeSpan=6M&ID_NOTATION=10407739#timeSpan=SE&e&

Die massive Überschuldung hat klare politische Konsequenzen: Zinsen für die überbordenden Staatsschulden wären für viele Staaten kaum noch tragbar, und so tun die Notenbanken (FED, EZB etc.) alles, um den Leitzins bei Null Prozent zu halten.

Immobilienmarkt als Alternative?

Nach der Finanzkrise in 2008/2009 galten für viele Anleger Immobilien als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Es wurden oft auch noch Bruttomietrenditen (vor Kosten/Steuern) von 4-6 % p.a. erzielt. Diese Relation ist inzwischen aufgrund erheblich gestiegener Kaufpreise in den Metropolen auf ca. 2-3 % Bruttomietrendite geschrumpft. Bei ca. 2 % lfd. Instandhaltungskosten, 10-15 % Erwerbsnebenkosten, dabei aber ohne Aussicht auf weiterhin attraktive Wertsteigerungen auf dem jetzt sehr hohen Niveau ist dies eine kaum noch rentable Anlagealternative.

Vgl. https://www.capital.de/immobilien-kompass

Globaler Aktienmarkt als Fluchtburg

Der globale Aktienmarkt hatte per Nov. 2020 ein Volumen von 95 Billionen US$ - im Verhältnis zum Anleihenvolumen von 280 Billionen US$ also nur ca. 1/3 davon. 

Vgl. https://www.marketwatch.com/story/value-of-the-world-wide-stock-market-soars-to-record-95-trillion-despite-resurgence-of-coronavirus-11605196894

Der Löwenanteil der klassischen Finanzierungs- bzw. Anlageinstrumente entfällt weiterhin auf den Anleihenmarkt. Wer aber kauft noch Anleihen zu Null- oder Negativzinsen? Seit einigen Jahren deutlich zunehmend die Notenbanken direkt, um so Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. 

Das jährliche Volumen ablaufender "Langläufer"-Anleihen mit noch hohen Zinscoupons ist groß. Es umfasst ca. 5 % aller Anleihen, die etwa um das Jahr 2000 begeben wurden. Direkte Folge ist, dass die Anleihenportfolios von Lebensversicherern jedes Jahr schwächer rentieren. Aktuell in 2021 zwar noch mit ca. 2,3 %, da noch erhebliche Altbestände an Anleihen vorhanden sind, aber mit weiteren Rückgängen um ca. 0,3 bis 0,4 % jedes Jahr ist zu rechnen, da rentable Altanleihen fällig werden. Versicherer/Pensionskassen sind daher gezwungen, zunehmend bis hin zu 40-50 % ihrer Anlageportfolios "alternativ" zu bestücken mit Aktien, "Spezial"-Immobilien, etwa für Logistik, Infrastruktur-Investitionen, etc. - soweit dies die jeweiligen Anlagerichtlinien erlauben. Ein Anteil von zumeist ca. 50-60 % muss aber in Anleihen gehalten werden, was die künftigen Renditeerwartungen deutlich verwässert. 

Unter der Annahme, dass ca. 50 % des Anleihenbestandes "Langläufer" sind mit mindestens 20 Jahren Laufzeit - dies sind die typischen Vehikel für LVs/Pensionskassen -, würden 5 % jährliches Ablaufvolumen bedeuten, dass jährlich 7 Billionen US$ an Neuanlagen zu tätigen sind (280 Bill. x 0,5 x 5 %).

Wenn aufgrund einer inzwischen gefestigten Erwartung von bleibenden Null- oder Negativzinsen immer mehr private und institutionelle Anleger gezwungen sind auszuweichen, was bleibt?

Eindeutiger Gewinner ist der Aktienmarkt, der anschwellende Zuflüsse erzielt. Sogar die typischen Rücksetzer am Aktienmarkt scheinen eine immer kürzere Dauer zu haben, weil das Geld rasch zurück muss, bevor sich anderweitig "Strafzinsen" auftun. Hier liegt auch ein wesentlicher Unterschied zu der Zeit, als die sog. Dotcom-Blase geplatzt ist, also im März 2000. Wer damals erschüttert war von massiven Kurseinbrüchen am Aktienmarkt, konnte sich leicht umorientieren und sich "trösten" mit gut 5 % sicheren Anleihenrenditen. Und heute?

Ein Chart des Weltaktienmarktes verdeutlich, dass die Kursentwicklung genau gegensätzlich verläuft zur Entwicklung der Anleihenrenditen, was kaum überraschen kann.

Vgl. https://de.extraetf.com/etf-profile/IE00B6R52259

Sonntag, 14. März 2021

Posting 93 - Kryptowährungen (Bitcoin etc.) als Depot-Beimischung? / update per Dez. 2025

Die Entwicklung der führenden Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum seit 2015 ist zweifellos beeindruckend. Und selbst wer erst Anfang 2017 eingestiegen ist, kann sich teilweise noch über eine Verfünfzigfachung seines Einsatzes freuen. Vgl. https://coinmarketcap.com/de/currencies/bitcoin/ + https://coinmarketcap.com/de/

Eine neue Kaufwelle ist eingetreten ab Sept./Okt. 2020, nachdem einige "Groß-Meldungen" die Runde gemacht haben, wonach Paypal den Handel mit Kryptowährungen ermöglichen will (bereits Realität für US-Kunden), größere Pensionsfonds Kryptobeimischungen vorgenommen haben oder auch Elon Musk via Tesla mit 1,5 Mrd. US$ in Bitcoin eingestiegen ist.  

Soweit es sich um institutionelle Großanleger wie Pensionsfonds handelt, werden meist ca. 2-3 % Beimischung als sinnvoll angesehen. Denn zweifellos werden auch dort das Risiko und die hohe Volatilität gesehen - aber eben auch die Chancen. Während sich in den letzten Jahren die meisten institutionellen Investoren noch uninteressiert gezeigt haben, scheint sich das Blatt jetzt zu wenden. 

Grund für die 2-3 % Beimischung mag die (anteilige) Bedeutung des Kryptomarktes am globalen Aktienmarkt sein: Dieser erreichte in 2020 ein Volumen von 95 Billionen US$, während der Kryptomarkt aktuell im April 2021 bei 2 Billionen US$ liegt.

Vgl. https://www.marketwatch.com/Volumen-globaler-Aktienmarkt

Vgl. https://coinmarketcap.com/Volumen-Kryptomarkt

Es zeichnen sich eben auch interessante Anwendungen ab mit der Blockchain-Technologie, die gerade erst entwickelt werden, aber Zukunft haben, etwa elektronisch geführte Grundbücher und andere Transaktionen, die eine sichere und unverfälschbare Eigentümerschaft im internationalen Verkehr benötigen. Besonderes Zukunftspotential hat das sog. Decentralized Finance, kurz DeFi (deutsch: dezentrale Finanzen), es steht für die Verbindung von klassischen Finanzkonzepten- und produkten, wie sie aus dem Bankwesen bekannt sind, mit der Blockchain-Technologie. Vgl. https://www.blockchaincenter.net/defi/

Der Einsatz von Krypto-Technologien für verschiedenste Anwendungen spielt bereits erhebliche Nutzungsgebühren ein. Derzeit ist diesbezüglich Ethereum (ETH) führend. Der Wert von Kryptos ist insofern nicht rein spekulationsgetrieben, sondern wächst auch durch die zunehmende Bedeutung der Blockchain-Technologie zur Abwicklung von Transaktionen. Sie sind also nicht nur Ersatzwährungen, sondern entwickeln sich in Richtung von Technologie-Plattformen.

Vgl. Cashflow aus ETH als Technologie-Plattform: https://ethereumcashflow.com

Vgl. Europäische Investionsbank (EIB) lanciert Ethereum-basierte Anleihen: https://ethereum-basierte-anleihen-der-europaeischen-investitionsbank-eib/

Wer als Privatanleger eine Beimischung überlegt, sollte dies ebenfalls nur mit einem geringen Portfolioanteil tun, denn die Risiken sind derzeit noch nicht abschließend zu bewerten. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Anleihen, Aktien, Immobilien und Gold, die alle eine wesentlich längere Historie aufweisen und deshalb zumindest rückblickend gut einzuschätzen sind. 

Krypto-Assets und Steuern

Steuerlich werden physisch hinterlegte Krypto-ETNs wie Eigentum behandelt, wenn eine Auslieferungsoption besteht. Grundlage dafür ist das BMF-Schreiben vom 10.05.2022. Bestehen die beiden Voraussetzungen bei Abbildung und Auslieferung, betrachtet der Fiskus die Kryptowährungen ähnlich wie Gold.

Vgl. https://www.justetf.com/bitcoins-handeln-wie-etfs.html

Sentiment-Index ("Crypto Fear & Greed Index"): Wenn dieser auf Grün steht, dann sind die meisten Anleger investiert. Wenn er auf Rot steht, dann gibt es noch viel Geld an der Seitenlinie, das nicht investiert ist. Also eher eine gute Phase zum Kaufen. Vgl. https://alternative.me/crypto/fear-and-greed-index/

Vgl. https://www.test.de/Bitcoin-So-funktioniert-das-Geld-aus-dem-Internet-5204320-0/

Vgl. https://www.finanztip.de/bitcoin/

Vgl. https://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/kryptowaehrungen

Vgl. https://www.bitpanda.com/academy/de/

Montag, 8. März 2021

Posting 92 - Dimensional Fonds effizienter als ETFs? (3) - update per März 2021

Seit dem Jahr 2010 ist die amerikanische Fondsgesellschaft "Dimensional Fund Advisors" (DFA) auch in Deutschland tätig. Akkreditierte Portfolio-Berater bieten Beratung und Vermittlung zu solchen Fonds bzw. Depots.

Nun stellt sich die Frage, wie sich die Performance der Dimensional Fonds verhält zu den direkt vergleichbaren MSCI-Indizes, umsetzbar als ETFs.

Die auf der Dimensional-Webseite verfügbaren Performance-Daten liefern das Ergebnis: http://eu.dimensional.com/de -> Menüpunkt Investmentlösungen

Bezogen auf fünf wesentliche Tranchen in Gleichgewichtung (Global Core Equity, Global Targeted Value, European Small, European Value, Emerging Markets Value) ergibt sich:

1) Über die letzten 12 Monate per 28. Februar 2021 +17,0 % p.a. Performance für das Dimensional Portfolio und +13,3 % p.a. für das entsprechende MSCI-Index-Portfolio. Mit Umsetzung der MSCI-Indizes in ETFs gehen noch ca. 0,5 % ETF-Kosten* ab, Ergebnis +12,8 % p.a. effektiv. Damit ergibt sich ein Performance-Vorsprung von +4,2 % p.a. zugunsten des Dimensional Portfolios.

*) Laut "Finanztest" beträgt der Performance-Unterschied zwischen den MSCI-Indizes und den besten ETFs darauf ca. 0,5 % p.a. - dieser beruht auf 1) den Tracking-Differenzen z.B. durch Sampling, 2) den ETF-Verwaltungskosten von ca. 0,30 % (TER) und 3) den Transaktionskosten für Indexanpassungen.

2) Im Drei-Monatsvergleich per 28.02.2021 betragen die Werte +11,6 % für Dimensional und +8,5 % brutto für die Benchmark-Indizes, nach ETF-Kosten von 0,5 % dann +8,0 % netto. Hier ergibt sich ein Performance-Vorsprung von +3,6 % für das Dimensional Portfolio. 


Quelle: https://eu.dimensional.com/de/funds


3) Hinzu treten spürbare Kostenvorteile, weil Erwerb/Rückgabe von Dimensional-Fondsanteilen nicht wie bei ETFs an der Börse erfolgen, sondern direkt via Fondsgesellschaft. Damit werden bei Erwerb durchschnittlich ca. 50 % der Ordergebühren eingespart. Verkäufe sind sogar kostenlos. In Summe entsteht so eine Ersparnis von ca. 75 % der Orderkosten. Dimensional-Sparpläne sind ebenfalls kostenlos und erhöhen den Gebührenvorteil zusätzlich. 

Tatsächlich ist zu konstatieren, dass die Performance einiger Dimensional-Tranchen über die beiden Jahre 2018/2019 etwas zurücklag, was klar begründet ist durch deren höhere Anteile an kleineren Unternehmen (Small Caps) und an Substanz-Unternehmen (Value-Untern.) gegenüber den MSCI-Indizes. So umfasst die Tranche "Dimensional Global Core Equity" 7.515 Unternehmen weltweit, die vergleichbare Tranche "MSCI World" jedoch nur die knapp 1.650 weltgrößten Unternehmen.

Vgl. Dimensional-Fonds Performance (nur die EUR-Tranchen sind in D verfügbar):  https://www.fondsweb.com/de/suchen/afocus/2-123/issuer/1953/yield/2/sort/per5j

Manchmal wird von den Dimensional Fonds auch salopp als "Mercedes-ETFs" gesprochen. Im praktischen Alltag jedenfalls kann der Einsatz eines Dimensional-Portfolios via Honorarberater bedeuten, dass die Depotbetreuungskosten von rund 1 % p.a. bereits eingespielt werden durch die höhere Fonds-Performance gegenüber einem "einfachen" ETF-Portfolio. Das Wissen um eine risikoadäquate Portfoliogestaltung, regelmäßiges Rebalancing und kompetente persönliche Betreuung erbringen zusätzliche Vorteile - mit häufig ca. 2-3 % p.a. an Zusatz-Rendite durch Fehlervermeidung. Und Fehlervermeidung ist anerkanntermaßen die größte Herausforderung zum erfolgreichen Agieren am Aktienmarkt. 

Vgl. Wertigkeit persönlicher Beratung: https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-66-warum-personliche.html

Vgl. Dimensional Fonds effizienter als ETFs? (2) per Juni 2018: https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-68-dimensional-fonds.html

 

Montag, 15. Februar 2021

Posting 91- Nachhaltig investieren mit ETFs und Nachhaltigkeits-Fonds

Seit einigen Jahren verstärkt sich der Trend, ökologisch orientiert zu investieren. Während bis vor 3-4 Jahren damit aber Nachteile hinsichtlich der Performance einhergingen, hat sich diese Situation geändert. Die enormen Zuflüsse in Nachhaltigkeits-Fonds haben deren Performance inzwischen sogar über jene der breiteren "Core"-Indizes wie dem MSCI World hinaus angehoben. 

EU-Regulationen verpflichten Banken und Finanzdienstleister inzwischen, auch Nachhaltigkeits-Kriterien bei Investmentempfehlungen zu beachten. Für viele Anleger-/innen haben Nachhaltigkeitsaspekte bereits eine hohe Bedeutung. 

Während es "technisch" gesehen kaum noch eine Hürde darstellt, nachhaltige ETFs/Fonds zu identifizieren, so gibt es längerfristig jedoch Auswirkungen, die mit der Natur der Kapitalmärkte zusammenhängen: Wenn aufgrund bestimmter Vorgaben oder Vorlieben Teilmärkte besonders bevorzugt werden, werden sie "automatisch" teurer als vernachlässigte Werte bzw. Segmente. Teure Segmente aber haben im allgemeinen eine geringere langfristige Renditeerwartung als "fair" bewertete Segmente. Für die nächsten Jahre dürften die anschwellenden Zuflüsse in Nachhaltigkeits-Investments dafür sorgen, dass noch kein Performance-Rückgang eintritt gegenüber dem breiteren Gesamtmarkt. Die Situation sollte aber beobachtet werden, um ggf. reagieren zu können im Rahmen eines sinnvollen Rebalancings.

Vgl. Nachhaltige ETFs: https://www.justetf.com/de/how-to/invest-in-social-responsibility-europe.html

Vgl. Dimensional Fonds Global Core vs. Global Sustainability Core: https://www.fondsweb.com/de/vergleichen/ansicht/isins/IE00B2PC0260,IE00B7T1D258

Montag, 18. Januar 2021

Posting 90 - Die Psychologie des Geldes

Der Finanzautor M. Housel untersucht Geldanlage in einem breiteren, psychologischen Sinne.

Vgl. Morgan Housel, Die Psychologie des Geldes (engl.): https://www.collaborativefund.com/blog/the-psychology-of-money/

Er started mit einer netten Anekdote, wie es einer einfachen Sekretärin gelungen ist, bei ihrem Ableben mit hundert Jahren sieben Mio. US$ zu hinterlassen, während es ein hochrangiger Finanzmanager mit Harvard-Abschluss trotz bester Voraussetzungen nur zur Insolvenz gebracht hat. Und dass solche erstaunlichen "Karrieren" wie bei der Sekretätin ausschließlich vorstellbar sind bei der Geldanlage. Denn dort spielt Verhalten die entscheidene Rolle, nicht die professionelle Qualifikation. 

Folgende Dimensionen werden herausgearbeitet:

1) Zufall/Glück sind nicht zu unterschätzen, das muss man in aller Bescheidenheit einräumen. 

2) Der Erfolg, wohlhabend zu werden, hat Kosten, zumindest emotionale. Wer hoch hinaus will, muss Unsicherheit und Volatilität aushalten. 

3) Reichtum erzeugt keine Anerkennung anderer - diese Vorstellung ist eine Fiktion. Sondern eher das eigene Bestreben, es auch zu werden, weil man denkt, es würde Anerkennung bringen. 

4) Lebenseinstellungen ändern sich, oft gibt es Phasen von je 10-20 Jahren Dauer. Bei der Geldanlage aber sind viel längere Zyklen erfolgreicher, am besten solche, die lebenslang wirken können, d.h. 50-80 Jahre lang. So wirkt sich der Zinseszinseffekt dramatisch stark aus, insbesondere am Aktienmarkt.

5) Der finanzielle Erfahrungshintergrund, der oft in der Jugendzeit geprägt wird - nicht zuletzt durch die Erfahrungen und Einstellungen der Eltern -, führt zu unterschiedlichen Wahrnehmungen der Realität.

6) Die Historie bietet keine verlässliche Grundlage für die Zukunftsentwicklung der Märkte. Während Erfahrungen in den Naturwissenschaften sehr wohl relevant sind, hat die innovationsgetriebene Wirtschaft eine völlig "unkalkulierbare" Zukunft. Auf bestimmte Firmen oder Branchen zu setzen, macht längerfristig keinen Sinn. Die Historie lehrt aber viel über Anlegerverhalten, dies sollte also durchaus betrachtet werden.

"That doesn’t mean we should ignore history when thinking about money. But there’s an important nuance: The further back in history you look, the more general your takeaways should be. General things like people’s relationship to greed and fear, how they behave under stress, and how they respond to incentives tends to be stable in time. The history of money is useful for that kind of stuff. But specific trends, specific trades, specific sectors, and specific causal relationships are always a showcase of evolution in progress."

7) Die Welt geht selten unter - bisher noch nie. Der Mensch neigt dennoch zu Pessimismus, das hat auch sein Überleben gesichert. Warren Buffet: "Wer Erfolg haben will, muss zuerst überleben". Dennoch entwickelt sich die Wirtschaft nach oben, weil Innovation sie antreibt. 

8) Lineares Denken ist für den Menschen die intuitive Form. Exponentielles Denken sprengt seine Vorstellungskraft. Der duch langfristiges Anlegen erzielte Zinseszinseffekt ist aber eine exponentielle Funktion. W. Buffet ist eben auch schon 75 Jahre "am Markt", weil er schon als Kind begonnen hat. 

9) Die breite Masse kann keine weit überdurchschnittlichen Renditen erzielen, das ist nur möglich durch Vorreiterschaft in innovativen Segmenten. Aber durchschnittliche Ergebnisse kombiniert mit Langfristigkeit reichen allemal.

10) Die (Finanz-)Wissenschaft ist nur begrenzt wirksam, wo menschliches Verhalten, Gier und Panik eine wichtige Rolle spielen. Verhalten ist letztlich wichtiger als Investitionstechnik.

11) Viele Menschen denken, Reichtum sei daraus abzuleiten, was man an Konsumgütern und Lebensstandard sieht (großes Haus, Luxusautos, teure Reisen, Boot etc.). Dem ist nicht so. Kapitalvermögen entsteht, wenn man deutlich weniger ausgibt, als man einnimmt und diesen möglichst großen Überschuss dann klug investiert - nur dadurch wird mit der Zeit Vermögen aufgebaut.  

12) Bei einem Auto weiß man, wann es defekt ist und einer Reparatur bedarf. Aber bei einem Investment? Wenn ein Teilmarkt nicht läuft? Vielleicht nur eine vorübergehende Schwankung? Einer der wichtigsten Sätze, um die Fehleranfälligkeit menschlichen Verhaltens zu begrenzen: "Don´t do anything".

13) Die Anlagestruktur sollte Raum für Irrtum lassen, denn Irrtum ist häufig. Irrtum und Enttäuschung wirken enorm zerstörerisch auf die Psyche und führen zu anschließenden Verhaltensfehlern. 

14) Finanzanlage von anderen abzugucken, ist keine gute Idee. Andere Akteure haben oft eine ganz andere Sichtweise und andere Ziele. Finanzanlage muss auf die eigenen Ziele fokussieren. 

15) Finanznews sind unterhaltsam, so wie Sportnews. Spekulieren kann auch spannend sein. Wer jedoch zum Zeitvertreib und zur Spekulation an der Börse ist, erzielt meist keine guten Resultate, denn dazu sind eher "systematische" Langeweile und Ausdauer erforderlich.

16) Risiko in der Finanzanlage ist okay, solange es nicht "tödlich" wirken kann. Da Leveraging (Hebeln) leicht zum Ruin führen kann, ist es keine sinnvolle Option. 

17) Das beste Anlagewissen nützt nichts, solange das Anlage-Verhalten nicht stimmt. Der Mindset ist entscheidend, erst danach kommt das "Technikwissen" wie Portfoliostruktur, Portfoliokosten, Steuern etc. 

18) Die Welt funktioniert oft nicht so, wie wir es uns wünschen. Dagegen hilft aber keine "korrigierende" Geschichte. Obwohl in der Praxis (leider) gilt: "Stories over statistics"

19) Die Politik mag einen Enfluss auf die Wirtschaft haben. Aber er ist weit unklarer, als viele sich das wünschen. Politik ist als Basis für rationale Investmententscheidungen ungeeignet.

20) Was kürzlich passiert ist an Entwicklungen in Gesellschaft und Wirtschaft wird oft als Basis genommen für lineare Extrapolationen ("recency bias"). Meist sind lineare Fortschreibungen aber falsch. Es lohnt sich, bei der persönlichen Langfriststrategie zu bleiben, und diese nicht nach neueren Ereignissen zu verwerfen. 

Morgan Housel schließt mit einem Satz zur effektiven Psychologie des Geldes: "Es ist egal, was drumherum passiert. Es ist nicht wichtig."

Als Zusammenfassung für persönlichen Anlageerfolg steht ganz klar das Verhalten im Vordergrund. Unverzichtbar sind somit Disziplin, Konstanz und Langfristigkeit als notwendige Bedingungen, ein paar weitere als hinreichende.

Vgl. https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-59-typische-anlagefehler.html

Vgl. https://gafib1.blogspot.com/2020/11/posting-86-advisors-alpha-welchen-wert.html

Vgl. https://www.marketwatch.com/story/americans-are-still-terrible-at-investing-annual-study-once-again-shows-2017-10-19

Vgl. "Spar Dich reich": https://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/a-638935.html


Dienstag, 12. Januar 2021

Posting 89 - Depot-Performance schlechter als die Index-Performance?

Die meist zu Jahresbeginn übliche Betrachtung der eigenen Vermögensentwicklung richtet den Blick natürlich auch auf das eigene Depot. Hierbei tritt nicht selten eine gewisse Ernüchterung ein, denn die eigene Depotentwicklung ist praktisch immer (deutlich) schlechter als die Indexentwicklung, die man kurz vorher z.B. in der Zeitung gelesen hatte. Woran liegt das? Eine Indexentwicklung ist in der realen Welt nicht erreichbar, denn

1) Ein Index, wie z.B. der MSCI World, ist noch kein Indexprodukt (=ETF) und die Umsetzung in einen ETF kostet meist 0,5 % bei Welt- und Europa-Indizes, bei Emerging Markets-Indizes etwas mehr (0,8 %); vgl. "Finanztest", Febr. 2021 ("Die besten ETFs", 5-Jahresdurchschnitte).

2) Eine ETF-Entwicklung ist immer vor Steuern definiert, während das normale Depot Steuern abführt auf Erträge, Verkauf von Gewinnpositionen oder (seit 2019) auch als Vorabpauschale auf thesaurierende Fonds/ETFs. Bei Dividendenausschüttungen gehen 26,4 % (28 % inkl. Ki-Steuer) ab als Abgeltungssteuern, bei 2 % Erträgen also 0,53 %.

3) In vielen Depots sind Sparpläne angelegt, d.h. das Depotvolumen steigt über das Jahr. Ein ETF reflektiert die Jahresentwicklung aber immer bezogen auf ein Vollinvestment zum 01.01. eines Jahres, ohne weitere Zuzahlungen. Daraus ergibt sich ein Performance-Minus von ca. 0,2-1 % p.a., je nach der Höhe des Sparanteils in Relation zum schon vorhandenen Depotvolumen.

4) Ein ETF befindet sich noch nicht im Depot, sondern die Positionen müssen erst angeschafft werden. Für eine Order von 10 T€  fallen ca. 0,3 % Ordergebühren an, zusätzlich noch der sog. Spread, also die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufs-Börsenpreis. Der Spread beträgt meist ca. 0,1-0,5 %. Je öfter gehandelt wird, desto stärker fallen Orderkosten und Spreads ins Gewicht. Bei einer Order - Kauf oder Verkauf - über 10 T€ also mit ca. 0,6 %. Mittels optimierter Kaufzeitpunkte können die Spreads meist auf 0,1-0,3 % reduziert werden.

5) Im globalen Industrieländer-Index MSCI World entfallen seit etlichen Jahren mehr als 60 % allein auf die USA. Damit ist zumindest ein erhebliches Währungsrisiko verbunden aus Euro-Sicht. Deshalb wird für die meisten Depots eine balanciertere Verteilung angestrebt mit relativ höherer Gewichtung auch von Europa und Emerging Markets (EM). Eine solche Abweichung kann sich phasenweise auch negativ gegenüber dem MSCI World verhalten, da z.B. in den 2010er Jahren die US-Entwicklung deutlich besser war als jene in EU und EM. Dies kann sich aber durchaus umkehren in den 2020iger Jahren, wenn z.B. die EM-Entwicklung wieder deutlich anzieht. Dann würde ein stärker balanciertes Depot besser laufen als ein primär MSCI World-orientiertes.

Summiert man die typischen Kostenpositionen 1) - 4) auf, so entstehen in Summe ca. 1,4 % p.a. an Depot-Kosten bzw. Performance-Nachteilen gegenüber einem reinen Index (Positionen als fiktive Durchschnittswerte):

zu 1) ca. 0,6 % als effektive ETF-Kosten (die ausgewiesene "TER" beinhaltet nicht alle Kosten)

zu 2) ca. 0,4 % als lfd. Besteuerung (große Varianz, da Freistellungsvolumen von 801 € p.P., das lfd. Erträge bis ca. 40 T€ Depotvolumen schützt, bei Verkäufen/Umschichtungen aber auch schnell ausgeschöpft ist)

zu 3) ca. 0,2 % für Depot-Sparpläne

zu 4) ca. 0,2 % für (anteilige) Orderkosten/Spreads (je nach Depotmodell ggf. keine Orderkosten, aber lfd. Depotgebühren von ca. 0,3-0,8 %, z.B. bei Robo-Advisors)

zu 5) ggf. 0,5 - 3 % phasenweise Abweichung wegen Regionen-Mix (kann negativ wie positiv wirken).

Vergleicht man die eigene Depot-Performance gegenüber einem ETF auf einen Welt-Index, so fällt zwar die o.g. Position 1) weg, alle anderen bleiben aber erhalten, d.h. auch von der ETF-Performance sind noch ca. 0,8 % p.a. an Depot- und Steuerkosten abzuziehen. Regionenabweichungen ggf. noch phasenweise.

Unabhängig von den o.g. unvermeidbaren Anlagekosten von knapp 1 % p.a. schlagen faktisch die Kosten für psychologische Fallstricke deutlich stärker zu Buche: Diverse Untersuchungen weisen zwischen 1,5 bis 5,6 % p.a. aus, vgl. in den folgenden Links:

Vgl. https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-59-typische-anlagefehler.html 

Vgl. https://gafib1.blogspot.com/2020/11/posting-86-advisors-alpha-welchen-wert.html

Vgl. https://www.marketwatch.com/story/americans-are-still-terrible-at-investing

 

Montag, 30. November 2020

Posting 88 - Was ist steuerlich günstiger, ausschüttende Fonds/ETFs oder thesaurierende Fonds/ETFs? - Update per Dez. 2023

Diese Frage stellt sich neu seit der erfolgten Investmentsteuerreform zum 01.01.2018 (vgl. https://www.consorsbank.de/ev/Service-Beratung/Steuer ). Inzwischen liegen auch die praktischen Erfahrungen vor aus den Jahren 2019 (für 2018) bis 2023 (für 2022). 

Aufgrund des negativen Basiszinses wurde für die Jahre 2021/2022 keine Vorabpauschale berechnet. https://www.sis-verlag.de/archiv/andere-sonstige-steuerarten/verwaltungsanweisungen/7161-bmf-investmentsteuergesetz-vorabpauschale

Während vor 2018 thesaurierende Fonds einen deutlichen Steuervorteil hatten, weil es erst beim Verkauf zu einer Besteuerung der Zuwächse im Fondsvermögen kam, hat sich dies ab 2018 geändert. Mit der Einführung der sog. Vorabpauschale werden nun auch jährlich Steuern zu Jahresbeginn (für das vergangene Jahr) erhoben.

Die Vorabpauschale ermittelt einen fiktiven Betrag. Wesentlicher Faktor ist dabei der durch die deutsche Bundesbank festgelegte Basiszinssatz. Dieser war bis 2022 sogar negativ, so dass Steuerabzüge auf thesaurierende Fonds Anfang 2023 nicht erfolgten. Ab Jan. 2024 (für 2023) dürften aber wieder spürbare Vorabpauschalen greifen.

Für das Gesamtjahr 2023 liegt der Basiszinssatz bei +2,37% (1. HJ = 1,62 %, 2. HJ = 3,12 %) Vgl. https://basiszinssatz.de/ Nach G. Kommer dürfte der Break-Even-Point erst bei einem Basiszins von +3,8 % erreicht sein, ab dem die Vorabpauschale ungünstiger wird (Vgl. https://www.gerd-kommer-invest.de/ausschuettende-vs-thesaurierende-fonds/ ). Damit ist eine thesaurierende Variante bis auf weiteres steuerlich noch begünstigt.  

Der Steuer-Stundungseffekt besteht also derzeit noch fort, wenn auch in geringerem Ausmaß. Steuerstundung bedeutet in der Praxis, dass der Zinseszinseffekt zugunsten des Anlegers weiter wirken kann, da ein größeres Volumen im Depot verbleibt. 

"Smart" investieren: Der vorhandene Sparerpauschbetrag von 1.000 €/2.000 € sollte andererseits sehr wohl ausgeschöpft werden, denn eine erfolgte Steuerfreistellung auf der Basis des erteilten Freistellungsauftrages (FSA) ist endgültig. Dazu bieten sich primär ausschüttende Fonds/ETFs an. Inzwischen ggf. auch bereits durch die erhobenen Vorabpauschalen im Jan. 2024. Die Ausschöpfung des FSAs lohnt also!

Die Freistellung greift bei z.B. 2 % lfd. Dividendenerträgen bis zu einem Depotvolumen von ca. 50.000 €/100.000 € - eben bis zur vollen Ausschöpfung der Sparerpauschbeträge. Weiteres Volumen darüber hinaus bleibt dann zwar nicht mehr steuerfrei, kann aber steueroptimiert in thesaurierenden Fonds/ETFs angelegt werden.

Vgl. https://www.finanzfluss.de/etf-handbuch/steuern/

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Posting 87 - Mit der 72er-Regel den eigenen Wohlstand planen

Die Verdoppelung des eingesetzten Geldes ist für viele Anleger ein Meilenstein. Wann es soweit ist, kann sehr einfach mit der 72er-Regel berechnet werden.

In welcher Zeit und bei welcher Rendite sich das Kapital verdoppelt

Mit der 72er-Regel läßt sich ausrechnen, wie lange es bei welcher Rendite dauert, bis man sein Kapital verdoppelt hat. Die Formel ist denkbar einfach:

72 / jährliche Rendite = Anzahl der Jahre zur Verdoppelung

Ein Beispiel: Man erhält auf sein Kapital im Schnitt 8 Prozent Rendite. Die Formel lautet also:

72 / 8 (jährl. Rendite) = 9 Jahre bis zur Kapital-Verdoppelung

Aufgrund des Zinseszinseffektes (exponentielles Wachstum) verdoppelt sich das Geld also hier im Beispiel nach rund 9 Jahren. Vgl. auch mittels eines Sparrechners: https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php Wie man 8 Prozent Rendite erreicht? Vgl. im Posting 80 unten.

Vgl. Die 72er-Regel: Wann sich dein Geld verdoppelt  https://kleiner-finanzblog.de/die-72er-regel-wann-sich-dein-geld-verdoppelt/
 
 
Vgl. Posting 80 - Richtiges Aktiensparen ist langfristig immer erfolgreich! https://gafib1.blogspot.com/2019/10/posting-81-richtiges-aktiensparen-ist.html
 
Vgl. Posting 86 - "Advisor´s Alpha" - Welchen Wert an der zu erwartenden Rendite hat eine gute Beratungsleistung? https://gafib1.blogspot.com/2020/11/posting-86-advisors-alpha-welchen-wert.html
 

Freitag, 18. September 2020

Posting 86 - "Advisor´s Alpha" - Welchen Wert an der zu erwartenden Rendite hat eine gute Beratungsleistung?

Zweifellos sind (vermiedene) Kosten eine der wichtigsten Stellgrößen für den Erfolg eines Investments. Hier spielen initiale Abschlusskosten bei Versicherungen oder Ausgabeaufschläge bei aktiv gemanagten Fonds eine Rolle, aber noch viel wichtiger sind die laufenden Kosten in einem Fonds oder einer Versicherung, die jährlich vom Fonds- bzw. Vertragsguthaben abgezogen werden - und nicht sichtbar sind. Oft entstehen jedoch Gesamtkosten von 3-4 % p.a. - Bezugsbasis sind dabei wohlgemerkt nicht "100", was oft angenommen wird, sondern der Jahresertrag der Kapitalanlage von z.B. 8 % p.a. Somit wären es bei 3,5 % Kosten also fast 44 % des Jahresertrags (3,5 % von 8 %), der für Produktkosten "drauf" geht. Kostenträchtige Verhaltensfehler kommen ggf. noch hinzu.

Die hohen Fondskosten sind ein entscheidender Grund, weshalb seit über zehn Jahren sog. Indexfonds/ETFs (Exchange Traded Funds = börsengehandelte Fonds) eine enorme Erfolgsgeschichte geschrieben und große Zuflüsse erhalten haben. Denn hierbei gibt es weder Ausgabeaufschläge noch hohe laufende Kosten. Die lfd. ETF-Gesamtkosten liegen meist bei nur 0,1-0,4 % p.a.
 
Merke: Alle Kosten in Versicherungs- und Kapitalanlage-Produkten entstehen "sicher" und über die gesamte Laufzeit, nicht etwa nur einmal zu Beginn. Geringere Anlagekosten bedeuten deshalb einen "sicheren zusätzlichen Wertzuwachs", der durch die enorme Kraft des Zinseszinseffektes sehr oft sechsstellige Ausmaße erreicht über 20-30 Jahre Laufzeit.
      

Schwieriger zu greifen, aber mindestens ebenso wichtig ist der Wert einer guten Beratung. Die weltweit führende Fonds/ETF-Gesellschaft "Vanguard" hat diesen Wert auf der Basis umfangreicher Analysen beziffert. Er liegt insgesamt bei mindestens ca. 3 % pro Jahr. Was sind die Gründe?

 

Der größte Einzelposten ist tatsächlich der Wert eines guten Verhaltens-Coachings (1,5 %), weil die meisten Menschen an der Börse überfordert sind durch psychologische Fehlsteuerung wie Gier/Panik und sog. pro-zyklisches Verhalten, also Kauf insbesondere dann, wenn die Börse längere Zeit gut gelaufen ist - was zu tendenziell teurerem Kaufen führt.

Weitere Apekte sind - neben einer soliden Portfolioaufstellung - eine kosteneffiziente Umsetzung z.B. durch Einsatz kostengünstiger ETFs sowie bei Kauf-/Verkaudsorders, ein regelmäßiges Rebalancing sowie Steuer-Optimierung. Insgesamt nochmals ca. 1,5 % an positiver Renditeauswirkung. 

Natürlich muss die Beratungsvergütung von diesem Mehrwert von ca. 3 % noch abgerechnet werden: Aber selbst danach bleiben noch erhebliche Netto-Mehrwerte in Höhe von ca. 2 % p.a. für gut beratene Anleger/innen erhalten.

Vgl. Was aus meiner Aktienanlage wird über die Zeit: https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php (als "Zinssatz" 7 % (= Rendite nach Kosten p.a.) eingeben im Zinseszins-Rechner bei global gestreuter Aktien-/ETF-Anlage. Ohne (gute) Beratung ergeben sich eher nur ca. 4 % Rendite.

Vgl. Welcher Mehrwert durch Beratung? https://www.de.vanguard/professionell/insights-wissen/mehrwert-von-beratung

Vgl. Posting 80 - Richtiges Aktiensparen ist langfristig immer erfolgreich! https://gafib1.blogspot.com/2019/10/posting-81-richtiges-aktiensparen-ist.html

Vgl. Posting 59 - Typische Anlagefehler - Anleger verschenken erhebliche Rendite https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-59-typische-anlagefehler.html

Vgl. Posting 58 - Erbschaftsplanung rechtzeitig vornehmen https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-58-erbschaftsplanung.html


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