Posting 31 - Aktienmarktbewertung nach KGVs und weiteren Kennzahlen: Wie ist die aktuelle Bewertung der Aktienmärkte? (update Juni 2021)
Dass auch zehn Jahre nach deutlichen globalen Wertzuwächsen insbesondere der deutsche und die europäischen Aktienmärkte noch eher günstig bewertet sind, vermuten die wenigsten. Noch tiefer liegen die Schwellenländer, die sich einige Jahre schwächer entwickelt haben und Nachholpotential haben. Der US-Markt liegt deutlich höher, aber auch noch im Bereich der letzten 35 Jahre:
https://www.boerse.de/dow-jones-kgv/
Im u. g. Artikel "DAX: 10-Jahres-Durchschnitte...." finden sich die
Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) für den Dax bezogen auf die Gewinnerwartungen für 2020 (KGV=15) und im Durchschnitt der letzten zehn Jahre (KGV=18). [Zum Vergleich: Im Frühjahr 2000, dem Höhepunkt der Dotcom-Blase, lagen die KGVs der meisten Industrieländer bei 30-50, das Dax-KGV bei 33,7. Das KGV Japans betrug Ende 1989 sogar 70 ]. Ein Einstieg ist also weiterhin sinnvoll - besonders für langfristig entbehrliche Anlagegelder, zumal alle anderen Anlageklassen deutlich höhere KGVs haben (Immobilien in Metropolen ca. 30-40, Staatsanleihen sogar mehr als 200).
Je niedriger ein KGV ist, desto günstiger ist der Preis einer Anlageklasse. Bei einem KGV von 10 wäre der aktuelle Preis des Anlagegutes bereits durch zehn Jahresgewinne / Jahresmieten / Zinscoupons wieder eingespielt.
Vgl.
Globale Aktienmarktentwicklung der letzten zehn Jahre seit Okt. 2011: Der globale Aktienmarkt-ETF iShares MSCI ACWI hat seit Okt. 2011 auf Euro-Basis einen Zuwachs erzielt von
+223 % (+12,96 % p.a.) per 11.06.2021. Da es sich um einen "passiv" gestalteten Fonds handelt, entspricht dieser Zuwachs nur der einfachen Gesamtmarktentwicklung.
https://de.extraetf.com/etf-profile/IE00B6R52259
Vgl.
Dax-KGV:
https://www.boerse.de/dax-kgv/ Danach liegt das Dax-KGV 2020 (Basis: erwartete Gewinne) im Febr. 2020
bei nur 14,3 - ähnlich wie in den letzten 15 Jahren, aber deutlich niedriger als im Febr. 2000 mit einem KGV von 33,7.
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/bewertungsmodelle-das-kgv-mutter-aller-bewertungszahlen-122275.html
Der aussagekräftigere
Dax-Chart, weil wie auch Dow Jones, FTSE 100 etc. als
Kurs-Index gestaltet (= Dividenden-bereinigt) hingegen notiert nicht höher als im Jahr 2000, zeigt also die eher günstige Bewertung auch besser an.
http://www.ariva.de/dax_kurs-index/chart?t=all&boerse_id=12
Kurs-Gewinn-Verhältnis durch Aktienrückkäufe und Niedrigzinsen beeinflusst?
Die Antwort lautet: Tendenziell ja. So ergibt sich einerseits ein
niedrigeres KGV dadurch, dass sich die
Gewinne pro Aktie von 2000 bis 2017 auf das fast 3-fache erhöht haben - massive
Aktien-Rückkäufe seit 2009 insbesondere in den USA (aber auch in EU etc.) sind ein entscheidender Grund. (Kurs div. durch höheren Gewinn = niedrigeres KGV). Die Unternehmen selbst traten als die mit Abstand größte Käufergruppe von Aktien im Markt auf, was den Gewinn pro (verbleibender) Aktie deutlich erhöht hat. Sie orderten in den USA von 2009 bis 2017 eigene Aktien im Wert von ca. 18 % der gesamten Marktkapitalisierung.
Umgekehrt
steigt der (faire) Wert eines Unternehmens
und
damit auch der Kurswert durch ein niedriges Zinsniveau an, weil
die künftig erwartete Gewinnsumme bei Kapitalkosten nahe Null Prozent kaum noch abgezinst werden muss.
-> Unternehmens-/Aktienwert = Summe der diskontierten Zukunftsgewinne.* Besonders hoch fällt der Nullzinseffekt aus bei
Qualitätsunternehmen mit sehr sicheren und bei
Wachstumsunternehmen mit stark steigenden Gewinnen (z.B. in der Digitalbranche) mit der Folge
höherer KGVs.
*) Unternehmensbewertung und Einfluss der Kapitalkosten
https://de.wikipedia.org/wiki/Discounted_Cash-Flow
Sagt ein KGV etwas über die kommende Jahres-Performance aus?
Der Investmentanalyst und US-Milliardär Ken Fisher
sagt: Nein. Für die
kurzfristige Wahrscheinlichkeit gelte primär die Zweidrittel-Regel, ohne Korrelation zum KGV:
In 2/3 der Jahre steigt der Aktienmarkt, in 1/3 der Jahre sinkt er. Im übrigen empfiehlt er eine umgekehrte, da einfachere Betrachtung, nämlich von Gewinn : Kurs, der
sog. Gewinnrendite. Die aktuelle Gewinnrendite (Febr. 2020) des
globalen Aktienmarktes liege bei 5,1 % und sei zu vergleichen mit den Alternativen, also Anleihen, die bei -0,4 % rentieren oder Immobilien, die in Metropolen eine Mietrendite von nur noch 1-2 % bieten würden (bei zweifelhaften Aussichten auf dem akt. Bewertungsniveau).
Berechnungsbasis ist dabei nicht der durch temporäre Sondereinflüsse teils weniger aussagekräftige (Ein-)Jahresgewinn, sondern der inflationsbereinigte mittlere Gewinn der letzten zehn Jahre. Die referierten KGVs basieren auf den Gewinnen der letzten vier Quartale, dem sog. nachlaufenden KGV (das auch "härter" ist als das prospektive KGV, das auf Gewinnerwartungen laufender bzw. künftiger Jahre basiert).
Hier die CAPE-KGVs der führenden Industrieländer nach dem Shiller Barclays CAPE® Index:
[
http://www.starcapital.de/research/aktienmarktbewertungen - z.Zt. inaktiv]
Eine Studie aus Mitte 2019 der StarCapital Kapitalmarktforschung unterstellt als
faires globales CAPE 18,3 und als faires globales KBV 1,8. Die USA (safe haven des Kapitalmarktes) lagen dabei zwar historisch meist höher als im globalen Schnitt, aktuell per Okt. 2019 sind sie mit einem CAPE von 29,5 und einem KBV von 3,2 jedoch recht hoch bewertet - mit der Gefahr schwächerer Renditen von nur ca. 5 % p.a. in den nächsten Jahren. Umgekehrt liegen die CAPE/KBV-Werte sehr
günstig in den Emerging Markets. Dort seien Renditen von 7 % p.a. und mehr zu erwarten in den kommenden zehn Jahren.
Häufig werden auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) zur Bewertung herangezogen, da diese im Unterschied zur Gewinnentwicklung nicht auf Erwartungen, sondern auf "harten" Ist-Zahlen beruhen. Das KBV für die entwickelten Märkte liegt für die zurückliegende Jahresperiode bei durchschnittlich 1,9 und jenes für die Emerging Markets bei 1,5. Vgl.
http://www.starcapital.de/research/aktienmarktbewertungen
Vgl.
Der "Angst- und Gier"-Index Je stärker der Index auf "rot"
steht, desto besser ist das Investment-Umfeld, denn dann ist noch
Geld außerhalb des Marktes, das noch investiert werden kann.
https://money.cnn.com/data/fear-and-greed/
Vgl.
Nach spätestens 14 Jahren war ein Aktienmarkt-Investment immer positiv, selbst bei der (unwahrscheinlichen) Kombination aus ungünstigstem Einstieg und zugleich ungünstigstem Ausstieg. Ein "echtes" Verlustrisiko besteht damit bei globaler Streuung nicht.
http://www.dividendenadel.de/aktien-erfolgsfaktor-zeit-renditedreieck/
Artikel-Link zu den
10-Jahres-Durchschnitten des DAX: