Freitag, 18. September 2020

Posting 86 - "Advisor´s Alpha" - Welchen Wert an der zu erwartenden Rendite hat eine gute Beratungsleistung?

Zweifellos sind (vermiedene) Kosten eine der wichtigsten Stellgrößen für den Erfolg eines Investments. Hier spielen initiale Abschlusskosten bei Versicherungen oder Ausgabeaufschläge bei aktiv gemanagten Fonds eine Rolle, aber noch viel wichtiger sind die laufenden Kosten in einem Fonds oder einer Versicherung, die jährlich vom Fonds- bzw. Vertragsguthaben abgezogen werden - und nicht sichtbar sind. Oft entstehen jedoch Gesamtkosten von 3-4 % p.a. - Bezugsbasis sind dabei wohlgemerkt nicht "100", was oft angenommen wird, sondern der Jahresertrag der Kapitalanlage von z.B. 8 % p.a. Somit wären es bei 3,5 % Kosten also fast 44 % des Jahresertrags (3,5 % von 8 %), der für Produktkosten "drauf" geht. Kostenträchtige Verhaltensfehler kommen ggf. noch hinzu.

Die hohen Fondskosten sind ein entscheidender Grund, weshalb seit über zehn Jahren sog. Indexfonds/ETFs (Exchange Traded Funds = börsengehandelte Fonds) eine enorme Erfolgsgeschichte geschrieben und große Zuflüsse erhalten haben. Denn hierbei gibt es weder Ausgabeaufschläge noch hohe laufende Kosten. Die lfd. ETF-Gesamtkosten liegen meist bei nur 0,1-0,4 % p.a.
 
Merke: Alle Kosten in Versicherungs- und Kapitalanlage-Produkten entstehen "sicher" und über die gesamte Laufzeit, nicht etwa nur einmal zu Beginn. Geringere Anlagekosten bedeuten deshalb einen "sicheren zusätzlichen Wertzuwachs", der durch die enorme Kraft des Zinseszinseffektes sehr oft sechsstellige Ausmaße erreicht über 20-30 Jahre Laufzeit.
      

Schwieriger zu greifen, aber mindestens ebenso wichtig ist der Wert einer guten Beratung. Die weltweit führende Fonds/ETF-Gesellschaft "Vanguard" hat diesen Wert auf der Basis umfangreicher Analysen beziffert. Er liegt insgesamt bei mindestens ca. 3 % pro Jahr. Was sind die Gründe?

 

Der größte Einzelposten ist tatsächlich der Wert eines guten Verhaltens-Coachings (1,5 %), weil die meisten Menschen an der Börse überfordert sind durch psychologische Fehlsteuerung wie Gier/Panik und sog. pro-zyklisches Verhalten, also Kauf insbesondere dann, wenn die Börse längere Zeit gut gelaufen ist - was zu tendenziell teurerem Kaufen führt.

Weitere Apekte sind - neben einer soliden Portfolioaufstellung - eine kosteneffiziente Umsetzung z.B. durch Einsatz kostengünstiger ETFs sowie bei Kauf-/Verkaudsorders, ein regelmäßiges Rebalancing sowie Steuer-Optimierung. Insgesamt nochmals ca. 1,5 % an positiver Renditeauswirkung. 

Natürlich muss die Beratungsvergütung von diesem Mehrwert von ca. 3 % noch abgerechnet werden: Aber selbst danach bleiben noch erhebliche Netto-Mehrwerte in Höhe von ca. 2 % p.a. für gut beratene Anleger/innen erhalten.

Vgl. Was aus meiner Aktienanlage wird über die Zeit: https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php (als "Zinssatz" 7 % (= Rendite nach Kosten p.a.) eingeben im Zinseszins-Rechner bei global gestreuter Aktien-/ETF-Anlage. Ohne (gute) Beratung ergeben sich eher nur ca. 4 % Rendite.

Vgl. Welcher Mehrwert durch Beratung? https://www.de.vanguard/professionell/insights-wissen/mehrwert-von-beratung

Vgl. Posting 80 - Richtiges Aktiensparen ist langfristig immer erfolgreich! https://gafib1.blogspot.com/2019/10/posting-81-richtiges-aktiensparen-ist.html

Vgl. Posting 59 - Typische Anlagefehler - Anleger verschenken erhebliche Rendite https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-59-typische-anlagefehler.html

Vgl. Posting 58 - Erbschaftsplanung rechtzeitig vornehmen https://gafib1.blogspot.com/2019/03/posting-58-erbschaftsplanung.html


Mittwoch, 22. Juli 2020


Posting 85 - Erfordert wohlhabend zu werden andere Fähigkeiten, als es zu bleiben?

Auszug aus Artikel von G. Kommer, im Link unten: "Ein bestimmter Typus Privatanleger scheitert besonders bemerkenswert in der praktischen Umsetzung des Übergangs von der reich werden (RW)-Phase zur reich bleiben (RB)-Phase: Vermögende mittleren oder fortgeschrittenen Alters. Viele von ihnen glauben, dass ihr erwiesener Erfolg in der Disziplin des reich werdens sie automatisch für Erfolg in der Disziplin des reich bleibens qualifiziere. Leider falsch. Das erforderliche Skill Set (Fähigkeiten, Können) für reich werden hat nahezu nichts gemein mit dem Skill Set, das man braucht, um reich zu bleiben –  außer der gleichen Überschrift “finanzieller Erfolg”.
 
Warum viele vorherige “RW-Stars” falsch annehmen, sie würden quasi zwangsläufig auch RB-Könner sein: RW-Skills haben im weitesten Sinne mit Geld und Finanzen zu tun, da wir hier letztlich über beruflichen und/oder unternehmerischen Erfolg sprechen. Und der führt ja im Ergebnis zu Vermögen. Oft besitzen die RW-Stars zudem noch kaufmännische und betriebswirtschaftliche Ausbildungen oder Erfahrungen. Aufgrund dieses RW-Vermögenserfolges und aufgrund ihres kaufmännischen Skill Sets schlussfolgern sie irrtümlich, ihr wirtschaftlicher Erfolg im “Wettkampf A” (RW) würde sich mehr oder weniger eins zu eins auf “Wettkampf B” (RB) übertragen lassen. Details finden sich im u.g. Artikel-Link.
 
Zusammenfassend lässt sich sagen: Für die RW-Phase ist sehr starker Fokus mit höherem Risiko meist notwendig, für die RB-Phase hingegegen schädlich. In der RB-Phase zählen starke Diversifikation, Vermeidung von Klumpenrisiken, Einschluss auch niedrig rentabler, aber schwankungsarmer Anlageklassen, so dass sich ein sehr balanciertes Portfolio ergibt aus allen bewährten Anlageklassen wie Renten, Aktien, Immobilien, Anleihen und Gold. 
 
William Bernstein, ein lesenswerter Finanzratgeberbuchautor, charakterisiert den Paradigmenwechsel, den ein Privatanleger beim Übergang in die RB-Phase erkennen und umsetzen sollte, mit dem Bonmot “if you have won the game, stop playing it” (Bernstein 2019). Knapper und klarer kann man es nicht mehr ausdrücken. 
 
Wir schließen mit einem Zitat des Briten Nathan Mayer Rothschild (1777–1836), zu Lebzeiten vermutlich der reichste Nicht-Monarch der Welt. Er sagte über die RW-RB-Dialektik: “Es braucht viel Mut und große Vorsicht, um ein großes Vermögen aufzubauen; und wenn man es geschaffen hat, braucht es zehnmal so viel Schlauheit, es zu behalten.” (“It takes a great deal of boldness and a great deal of caution to make a great fortune; and when you have got it, it requires ten times as much wit to keep it.”) 

https://www.focus.de/finanzen/experten/gastbeitrag-von-rainer-zitelmann

https://www.gerd-kommer-invest.de/unterschied-zwischen-reich-werden-und-reich-bleiben/

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